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045 China 5

China 5

(31. Juli – 14. August 2017)

(geschrieben von Flinke Feder am 12. Oktober 2017 redigiert vom grün gefiederten Papageienvogel mit drei Buchstaben; dem Ara)

(Die Red.) Die Redaktion des Reisemagazins „Leise Reisen„ freut sich enorm unseren geschätzten Lesern in kurzer Abfolge einen neuen Artikel zu bereiten. Dieser handelt von der Solatrike-Reise von Hohhot nach Peking.

Flinke Feder (FF): Bist Du gleich nach dem Abstecher zur Mongolei, von Hohhot losgefahren?

China 5

(July 31. – August 14. 2017)

(Written by Power Pen on October 12, 2017 edited of the Green-feathered Parrot bird Macaw)

(Editorial) The editorial team of the travel magazine „Gravel travel“ is very pleased to give our esteemed readers a new article in a short sequence. This is about the Solatrike journey in China from Hohhot to Beijing.

Power Pen (PP): Have you been right heading off from Hohhot after the tour to Mongolia?


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Der schnellste ist der Schweizer!

David Brandenberger (DB): Mein Gastgeber in Peking reiste bald ab, also musste ich mich sputen. Doch einen sonnigen Tag blieb ich noch in Hohhot, an dem ich die nächsten Tage organisierte und auf einem Platz traditionelle Musik und Tanz-darbietungen anschaute. Natürlich typisch chinesisch-chaotisch, einer lärmte dem Anderen nebenan hinein. (Siehe Video rechts weiter unten)

FF: Hattest Du wieder Begleitung, als Du losgefahren bist?

DB: Mein netter Gastgeber Dong in Hohhot, brachte mich und mein Gepäck wieder zu meinem eingestellten Trike. Erst hat er mich mit dem Auto begleitet, fuhr dann nach Hause und holte mich später mit seinem Velo ein.

FF: War es nicht schwer Dich in der grossen Stadt wieder zu finden?

DB: Eigentlich nicht, da ich ca. 20km nur geradeaus fuhr und er hat mir zur Sicherheit noch einen GPS-Finder mitgegeben. Bei einer Weggabelung verabschiedeten wir uns und ich fuhr ins Gebirge rein. Nach einer Berg- und Talfahrt stellte ich am Abend mein Zelt mitten in eine Baumplantage und genoss die Wärme des Tages.

FF: Blieb es schönes Wetter?

DB: Das verabschiedete sich an diesem Tag. Ich wachte bei Regen auf und die Strasse war dazu sehr zermürbend; ge-fühlte hundert Mal 10m hoch und wieder runter, dann mit 20m, 50m und 150m dasselbe Spiel. Bei schönem Wetter käme wenigstens noch Energie rein, doch natürlich war es regnerisch. Ich gurkte wie eine Schnecke durch die Gegend und ich dachte nicht, dass ich mein Tagesziel so erreichen könnte. Kurz nach Mittag geriet ich dazu noch in einen hefti-gen Sturm und flüchtete unter das Dach einer Tankstelle, um der Himmelsdusche zu entgehen. Es schüttete wie aus Kübeln. Das Berg- und Tal-Spiel führte danach noch fort bis ich auf 1563m gelangte, anschliessend konnte ich zehn Kilo-meter hinunter sausen, bevor es wieder von vorne anfing. Erstaunlicherweise war ich früher am Ziel angekommen, als angenommen und hatte trotzdem noch genügend Energie, da später noch die Sonne heraus kam.

FF: Du bist aber wirklich an der Stadt vorbei gefahren.

DB: Die war aber auch gut versteckt! Es sah alles nach Vorort aus und ich wartete, bis ich in die Stadt kam, doch dann war plötzlich nichts mehr. Wegen dem Wendemanöver hatte ich schlussendlich einige Kilometer mehr drauf. Als ich endlich mein Hotelzimmer erreichte, habe ich gleich das nasse Zelt darin zum trocknen aufgestellt.

FF: Blieb die Gegend hügelig?

DB: Ja und wie! Erst fuhr ich gemächlich hinunter auf 1283m und dann hoch, wie gewohnt auf 1434m. Anschliessend steil runter auf 1262m, damit es wieder hoch gehen kann. Die Vegetation ist aber um einiges dichter geworden. Für diese Nacht habe ich mir am oberen Ende eines kleinen Stausees einen Platz ausgesucht und gleich noch etwas Zeit gefunden für eine Skizze. Nach Sonnenuntergang wurde ich auch mit schönen Fotos belohnt.

FF: Du hast die Innere Mongolei verlassen und bist nach Hebei gefahren. Sind da irgendwelche Unterschiede?

DB: Nö erst nicht, das miese Wetter blieb. Doch gleich bei der Grenze habe ich wieder ein Stück der Grossen Mauer ge-funden und bin schnell zum Turm hoch gekraxelt, denn von der Mauer ist nicht mehr viel übrig. Darauf habe ich einen chinesischen Radfahrer angetroffen, der auf derselben Strecke unterwegs war. Nachfolgend flitzten die Kilometer nur so vorbei, da es ziemlich runter ging.

FF: Wieso konntest Du in Xuanhua nur eine Nacht bleiben? Du wolltest doch einen Pausetag einlegen.

DB: Das einzige Hotel im Ort, welches Ausländer beherbergen darf war schon voll. Ich habe dann „in der Nähe“ was ande-res gesucht, damit ich wenigstens am Morgen die Stadt an-gucken konnte. Beim Trommelturm war Spass für Gross und Klein, die sich in den Wasserspielen tummelten. Die katholi-sche Kirche war etwas gar kitschig im Neoneugotischen Stil gebaut, der Konfuziustempel ist nun ein Restaurant und in einem Park weit weg vom Meer sitzt die kleine Meerjungfrau.

FF: Du sagtest die nächste Stadt war in der Nähe, wie weit entfernt war sie?

DB: Nur 27.5 Kilometer, die sollten am Nachmittag locker in maximal zwei Stunden erreicht sein. Sollte! Ich brauchte etwa fünf Stunden.

FF: Hast Du Dich so verfahren?

DB: Das nicht, jedoch geriet ich in einen LKW-Stau. Kilometer-weit stauten sich die Laster. Eine Wägestation an der sich alle Laster wägen sollen sei in 500m, doch ich fuhr schon seit Kilo-metern an denen vorbei. Zwischendurch war es ziemlich knapp und einmal musste ich das Trike im 45° Winkel quer  stellen, mit den rechten Rädern auf dem Trottoir, damit ich überhaupt durch kam.

FF: Du bist aber nicht immer weiter gekommen und auch ein paar Mal stecken geblieben. Was hast Du in der Wartezeit gemacht?

DB: Ein paar Reparaturen am Trike und den Wechsler justiert.

FF: Wo war denn die Wägestation?

DB: Nach unzähligen Kilometern auf der linken Seite. Also steht der LKW mitten in der Strasse quer und blockiert gleich beide Spuren. Totale Chaoten!

FF: Hast Du nicht noch ein anderes Wort für die chinesischen Autofahrer.

DB: Panikchaoten! In China herrscht totaler Rechtsvortritt, auch wenn der Weg von rechts noch so klein ist. Die pre-schen von jedem Feldweg von rechts in die Strasse rein – ohne zu gucken, ob da wer kommt. Falls doch, wird der ja schon hupen. Darum wird auch gehupt, wenn sich jemand 2km voraus auf derselben Spur befindet. Die entwickeln eine regelrechte Panik auf alles, was ihnen eventuell in den Weg kommen könnte, aber selber fahren sie genauso chaotisch. Darum Panikchaoten.

FF: Hattest Du keine Panik, obwohl Du auf dem falschen Weg unterwegs warst?

DB: Ich hatte nur bammel, dass ich die ganzen steilen Stücke nochmals hoch musste, hätte ich kehren müssen. Doch ich war einfach eine andere Strasse gefahren und fand dabei ein altes Aquädukt. Doch leider habe ich es nicht bis zum Hotel geschafft, bevor sich der Himmel öffnete und mich total durchnässte. Kaum beim Hotel angekommen, war wieder eitler Sonnenschein und ich kam mir in den Regen-sachen ziemlich blöd vor. Wenigstens hatte ich eine hübsche Aussicht von meinem Zimmer aus zum Jiming Mountain, der in der Nacht angeleuchtet wurde.

FF: Den hast Du am nächsten Tag auch fast ganz umrundet.

DB: So konnte ich mir weitere unnütze Aufstiege sparen. Dafür musste ich in voller Fahrt eine Vollbremsung einleiten. Ich hätte sonst fast eine Tasche verloren. Das Fixierseil riss und die Tasche wurde mitgeschleift. Nun ist die Ortlieb-Tasche nicht mehr Wasserdicht und hat einige Löcher, welche ich aber unterdessen geflickt habe.

FF: Gerietest Du auch an diesem Tag in den Stau?

DB: Ich hatte das Gefühl an den gleichen Lastern vorbei zu fahren. Das war vielleicht auch so. Diesmal war es eine Poli-zeikontrollstelle zum Stadtgebiet von Peking – notabene 100 Kilometer davon entfernt. Das wäre, als wenn man in Chur oder Bern eine Kontrolle machen würde, um nach Zürich zu fahren. Dafür hat es in der Nähe einen Stausee mit hübscher Natur rund herum. Bei der Fahrt über die Brücke erhält man einen schönen Überblick.

FF: Kurz bevor Du Dein Ziel erreichtest war nochmals ein Stau.

DB: Bei einer Abzweigung standen alle Autos quer, jeder möchte als erster weiter und blockiert den Anderen. Da alle Spuren schon voll waren, sind sie nun auf den Radweg aus-gewichen und blockierten mit ihren breiten SUV auch noch diesen. Wie gesagt: Panikchaoten!

FF: Dein speziellstes Erlebnis hattest Du aber noch vor Dir.

DB: Ein Traum wurde wahr und ich fand ein zusammenhäng-endes Stück der Grossen Mauer, welches ziemlich einsam war, kein Eintritt verlangte und ich darauf etwas wandern konnte. So etwas hatte ich schon lange gesucht. Nur drei Leute traf ich an und als die abgestiegen waren, hatte ich die ganze Mauer für mich alleine. (Siehe Video unten)

FF: Erzähl von vorne. Wie war der Aufstieg?

DB: Der war stellenweise ziemlich steil, so steil sogar, dass ich auf allen vieren hoch kraxeln musste. Ich stellte mir vor, wie die Arbeiter hier die Ziegelsteine hoch trugen – ich habe ohne schon geschwitzt! Der Bau ist einfach eine Meister-leistung der zahllosen Arbeiter – überwältigend! Dieses Teil-stück wurde nicht restauriert und ich lief auf dem originalen Bauwerk von 1570. Hinter einem Turm ist sie aber zu stark von Gebüsch überwuchert, dass ich mich hinsetzte und eine Skizze fertigte.

FF: Hier wieder mit hübschem Zusatz.

DB: Es war derart brüllend heiss, dass ich mir diese Wasserkrug tragende Frau sehnlichst herbei wünschte. Ich stieg dann über einen anderen Weg ab, um nicht über die losen Steine zu purzeln.

FF: Du fuhrst nicht über Badaling, sondern hast eine andere Strasse gewählt. Da gibt es auch eine lustige Geschichte.

DB: Ein Tal weiter befindet sich eine weniger befahrene Strasse, welche ich auswählte. Als ich zur Zahlstelle kam, meinten die: als Velo dürfe ich hier nicht durch. Es stand keine Tafel auf der das stand und ausserdem war eine Parallelstrasse für den Schnellverkehr (ohne Velo) vorhanden. Ich kehrte um und fragte Polizisten, was ich machen soll. Die waren auch etwas verdutzt, als sie vom Velovebot hörten, führten mich danach aber auf eine andere Strasse. Nach vielen Windungen standen wir wieder auf derselben Strasse – einfach hinter der Zahlstelle und das mit Hilfe der Polizei! Ich musste gleich loslachen. Nach einem kurzen Aufstieg sauste ich die kurvenreiche Strasse hinunter durch stark bewaldete gebirgige Landschaft. Ich übernachtete auf einem Bauern-hof, der sich als Restaurant entpuppte.

FF: Wieso heisst es denn Bauernhof?

DB: Der ist im Aussenbezirk Pekings im noch landwirtschaftlich genutzten Teil und für Städter, die das mal sehen wollen, nicht zu weit weg. Für mich doch noch eine Tagesreise, denn ich fuhr am Rand ausserhalb von der Stadt entlang, bis ich zu meinem Gastgeber Adam in Peking gelangte.

FF: War der Besuch schon lange geplant?

DB: Ich traf Adam und seinen Vater schon in Dunhuang und sie hatten mich damals schon eingeladen. Es war ein schönes Wiedersehen. Die Familie zog gerade in eine neue Wohnung und mir haben sie gleich ein eigenes Zimmer ge-geben für mich und mein Gepäck – ich fühlte mich sehr ge-ehrt und Danke nochmals an dieser Stelle. Ich konnte einige Ersatzteile hier hin schicken lassen und nun stand die Repara-tur an: Die Felge des Hinterrades musste ich ersetzen. Das hiess 36 Speichen raus und wieder rein montieren. Den Sitz musste ich auch mit Nylonfaden nähen, weil das Plastiknetz gerissen war.

FF: Warum bist Du noch in der Stadt herum gefahren?

DB: Ich wollte unbedingt zum Tiananmen Platz mit dem Trike. Also fuhr ich los und war nach einer Stunde dort. Da war aber nix mit Foto machen, die Polizei schickte mich gleich wieder weg. Alles ist von Polizisten belagert. Ich habe wenigstens einen Film gedreht. Das Foto holte ich dann beim Millenium-Denkmal nach.

FF: Wieso warst Du danach nochmals beim Tiananmen Platz gewesen?